Netzwerkvorhaben Gegenwartswerkstatt
Wir sind einer der geförderten Orte des Programms „LOKAL” der Kulturstiftung des Bundes. Mit unserem Netzwerkvorhaben „Gegenwartswerkstatt” haben wir von 2025 bis 2029 die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen, Kooperationen aufzubauen und bestehende zu pflegen. So tragen wir dazu bei, das Kulturnetzwerk in Gera zu stärken.
Im Zentrum unseres Konzepts steht die Idee des Reparierens. Dies ist dabei nicht nur gegenständlich gemeint. Wir betrachten das Reparieren als eine lebendige, kreative Praxis. Sie kommt nicht nur beim Stopfen von Strickwaren, beim Schrauben an der Simson oder beim Ausbessern am Haus zum Tragen, sondern auch auf körperlicher Ebene in Form von Regeneration. Doch auch gesellschaftliche Themen haben wir im Blick: Können wir im übertragenen Sinn, analog zu Kintsugi, goldenen Kitt zum sozialen, regionalen Gefüge beisteuern und gestalterische Unterstützung bei biografischer Arbeit geben? Können wir den Blick von den Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten der gesellschaftlichen Umbrüche heben und die Besonderheit dieser Biografien beleuchten? Zwei größere Bereiche in dieser vielfältigen Transformationsgeschichte Geras sind sicherlich die Textilindustrie und der Uranbergbau. Die umfangreiche Sanierung des Uranbergbaus betrachten wir ebenfalls als eine ökologische, raumplanerische und geologische Form der Reparatur, die wir beobachten und vermitteln möchten.
Wir bezweifeln, dass nur das Heile, das Neue, das Unberührte schön ist. Unhinterfragt gilt die Reparatur vielleicht noch immer als zweitbeste Option nach dem Neukauf. Der Abriss hat nicht selten Vorrang vor der Sanierung und das Wegwerfen vor dem Erhalten. Doch das ist weder gesellschaftlich, ökologisch noch gestalterisch angemessen. Unser Vorhaben stellt sich ganz praktisch, konzeptuell, theoretisch und ästhetisch zum Ziel, gemeinsam im Austausch künstlerische Alternativen zu suchen, die nicht die schlechtere Wahl sind. Dabei stehen traditionelle Techniken und Auffassungen wie das japanische Sashiko neben kreativen DIY-Hacks mit (Kunst-)Stoff oder Gesprächsformaten, Ausstellungen und Bildungsveranstaltungen. Für diese Ideen suchen wir Verbündete in und um Gera, die Lust haben, mit uns gemeinsam zu gestalten.
Dr. Grit Ruhland ist seit Oktober 2025 Projektleiterin des Netzwerkvorhaben Gegenwartswerkstatt des Kulturhaus Häselburg e.V.. Sie studierte an der Hochschule für Bildende Künste Dresden Skulptur- und Raumkonzepte und wurde ebenda anschließend Meisterschülerin von Prof. Martin Honert. Ihre künstlerische Arbeit basiert auf einem konzeptionellen Ansatz und umfasst Projekte in den Bereichen Community Arts, Public Art, Sound Art und Interaktion mit wissenschaftlichen Instituten und Themen. Ihr besonderes Interesse gilt dem Umweltverhalten, den Auswirkungen des Bergbaus und dem nuklearen Erbe. Sie promovierte über die Auswirkungen des Uranbergbaus auf die Landschaft Ostdeutschlands an der Bauhaus-Universität Weimar. Ihre Arbeit ist im Kunstfonds der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vertreten. Sie hat als Dozentin an verschiedenen Hochschule gelehrt, darunter der Bauhaus Universität Weimar, der TU Dresden, der Universität Regensburg und der Bergischen Universität Wuppertal.
Gefördert in LOKAL – Programm für Kultur und Engagement, einem Programm der Kulturstiftung des Bundes, der Bundeszentrale für Politische Bildung/bpb und der European Cultural Foundation. Die Kulturstiftung des Bundes wird gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
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